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Von Hermannstadt fährt man auf der gut ausgebauten Nationalstraße 1 rund 43 Kilometer in Richtung Brasov. An einem Kreisverkehr geht´s dann rechts ab auf die DN7c, die Transfogarascher Hochstraße. Die Abfahrt ist gut ausgeschildert.

Für diejenigen, die ein wenig Zeit mitgebracht haben, lohnt sich auf halbem Weg zur Transfăgărășan ein Abstecher nach Avrig / Freck. Ich bin mit dem dortigen ehemaligen Bürgermeister befreundet und war einige Male zu Gast in der Sommerresidenz von Samuel von Brukenthal, dem Palatul Brukenthal. Das Palatul ist eine spätbarocke Schlossanlage und wurde zwischen 1757 und 1770 im Auftrag vom späteren Gubernator Samuel von Brukenthal erbaut. Eine Übernachtung in diesem wundervollen Ambiente kann ich aus eigener Erfahrung wärmstens empfehlen. Je nach Jahreszeit liegt der Preis je Übernachtung incl. Frühstück zwischen 40 und 80 Euro.

Palatul BrukenthalPalatul Brukenthal

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Von Avrig aus sind es noch 16 Kilometer bis zur Abfahrt auf die DN7c. Wer interesse hat, sollte allerdings noch 1.500 Meter in Richtung Brasov weiterfahren und dann links abbiegen in Richtung Cârța / Kerz.

Im diesem sehr gepflegten Örtchen befindet sich - nicht zu übersehen - die Ruine des Klosters Kerz. Diese, von französischen Mönchen errichtete Zisterzienserabtei, stammt noch aus den Jahren vor der sächsischen Besiedlung Siebenbürgerns und bildet eine kulturhistorische Einheit mit dem Kloster auf dem Michelsberg in Cisnadioara. Auf jeden Fall sehenswert ... 

Die Kirche ist eine dreischiffige Basilika im gebundenen System mit Querhaus, zweijochigem pentagonalem Chor und beiderseits je zwei rechteckigen Kapellen.

Das Langhaus wies vier Doppeljoche auf. Die Klausur lag rechts (südlich) von der Kirche.

Erhalten sind Chor, Vierung und eine südliche Seitenkapelle. Langhaus, Fassade und der Ostteil der Klausur sind als Ruinen erhalten.

Nachdem man Kerz einen Besuch abgestattet hat, geht´s dann endlich auf die Transfogarascher Hochstraße.

Wer noch Zeit im Gepäck hat, sollte einen kurzen Abstecher in das Nebental "Albota" machen. Bestens ausgeschildert findet sich ein kleines Naherholungs- und Erlebnisrefugium. Nebenbei bemerkt: Das gute Essen im Restaurant "Hermania" in Sibiu kommt aus diesen Zuchtanlagen ...

Klosterruine KerzKlosterruine Kerz

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Die Transfogarascher Hochstraße, im rumänischen Transfăgărășan genannt, zählt zweifelsohne zu den schönsten Pässen Europas. Die Wirtschaftswoche hat diesen Pass in die Liste der zehn schönsten Straßen der Welt aufgenommen. Soweit würde ich zwar nicht gehen, aber das Landschaftsbild, durch das sich das Asphaltband auf über 2.000 Meter in die Höhe schraubt, ist schon gewaltig.

Die Wirtschaftswoche schreibt dazu: "Der rumänische Diktator Nicolae Ceaușescu ließ die Transfăgărășan in den Siebzigerjahren über die Transsilvanischen Alpen bauen, um schnelle Militärbewegungen über das Hochgebirge zu ermöglichen. Dabei schuf er nebenbei eine der landschaftlich schönsten Straßen Europas."

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Die Länge der Transfogarascher Hochstraße beläuft sich auf 151 Kilometer. Ich war einige Male auf dieser Straße unterwegs und mein Ratschlag für die, die selbiges vorhaben: Man nehme sich bitte einen Tag Zeit. Dann reicht´s auch für einen Besuch im Palatul Brukenthal und in Kerz.

Am Kulminationspunkt des Passes befindet sich der Balea-See. Das Auge des Betrachters wird reichhaltig verwöhnt und kann sich ob der Schönheit kaum satt sehen.

Interessant und immer eines Blickes wert ist die Web-Cam am Bulea-Lac: http://muntii-fagaras.ro/en/webcam

Balea SeeBalea See

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Gasthäuser laden zum Verweilen ein und die obligatorischen Verkaufsstände, die man bei vielen Sehenswürdigkeiten Rumäniens findet, bietet Souveniers, Ramsch und viele Dinge an, die man im wahren Leben nicht  unbedingt benötigt.

Soweit der Pass geöffent ist, was (offiziell) in der Zeit von Juli bis September der Fall ist, geht´s dann vom Balea-See durch einen Tunnel auf die Südseite der Karpaten.

Das Landschaftsbild bleibt atemberaubend und nach einem langen Tag kann man dann in der wunderschönen Stadt Curtea de Arges die Seele baumeln lassen. Wir waren 2013 in der "Casa Domneasca" untergebracht. Dieses Hotel ist vorbehaltlos zu empfehlen: sauber, piekfein im Ambiente und sehr kostengünstig.

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Im Oktober 2016 habe ich dann erstmals die Passüberquerung von Süden aus "gewagt": Am frühen Morgen haben wir uns in Curtea de Arges zunächst die Grabeskirche des rumänisch-deutschen Königs Carol I angesehen. Wer sich in der Nähe von Curtea  befindet, sollte diesem epochalen Bauwerk unbedingt einen Besuch abstatten: Extrem lohnenswert! Die Kathedrale befindet sich stadtauswärts in Richtung Norden (also auf dem Transfagarasan fahrend) auf der rechten Seite.

Nach ungefähr 25 Kilometern auf dem Transfagarasan weist eine Hinweistafel in Richtung "Cetatea Poenari". Rund 2000 Stufen führen den gut konditionierten Wanderer serpentinenartig steil den Berg hinauf zu einer bemerkenswerten Ruine: Diese Burg hat tatsächlich den sagenumwobenen Fürsten Dracula beherbergt. Hierhin hatte er sich mit seinen Truppen zurückgezogen und verschanzt. Die zur Erbauung der Touristen im Eingangsbereich der Burg aufgepfählten lebensgroßen Puppen mag man mögen - oder auch nicht.

Zusammengefasst: Eine Passüberquerung von Süd nach Nord ist meinem persönlichen Empfinden nach lohnenswerter als von Norden aus ... aber das ist, wie so vieles im Leben, Ansichts- und Geschmackssache.

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Hoch oben auf dem Pass wartet im Winter in ganz besonder Leckerbissen auf den Rumänienreisenden: Von Ende Dezember bis Anfang März lockt das europaweit bekannte Eishotel der Familie Klingeis tausende Besucher an. Ich konnte mir im Dezember 2016 selbst ein Bild von den Aufbauarbeiten machen: Dutzende fleißige Arbeiter waren bei klirrender Kälte fast rund um die Uhr damit beschäftigt, aus Schnee und Wasser ein einzigartiges Bauwerk entstehend zu lassen. In diesem Hotel kann man (bei gleichbleibenden Temperaturen leicht unter dem Gefrierpunkt) tatsächlich übernachten, gut essen und trinken - genauso wie in einem "richtigen" Hotel. Die Übernachtungskosten liegen auf einem für deutsche Verhältnisse guten Preisniveau und der Service im Hause Klingeis ist bekanntermaßen erstklassig. Die "traurige Nachricht" dann allerdings zum Schluss: Das Hotel ist fast immer ausgebucht. Also: Der frühe Vogel fängt den Wurm - und der frühe Bucher bekommt vermutlich noch ein Zimmer. Ein eiskaltes Vergnügen ist garantiert!

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