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Von Gheorgheni / Niklasmarkt auf der DN 12c in Richtung Osten fahrend, passiert man nach 26 Kilometern linker Hand den "Roten See", von den Rumänen Lacul Rosu genannt.

Dieser See entstand im Jahr 1937 durch einen gewaltigen Erdrutsch. Noch heute ragen die Stümpfe der Bäume aus dem See.

Der Legende nach hat sich hier folgendes zugetragen: 

 

Die Legende vom Mördersee

Im Gebiet vom Gyergyó lebte einmal ein wunderschönes Mädchen, Eszter Fazekas. Ihr Haar war schwarz wie der Schlehdorn, ihre Augen waren graugrün, ihre Gestalt war biegsam, wie die Pappel, wenn sie der Wind bewegt. An einem sonnigen Julivormittag ging Eszter zum Markt in Niklasmarkt. Dort begegnete ihr ein stolzer Geselle, der mit der Kraft seines Armes dem Bären die Luft auspressen konnte und der in der ganzen Gegend am lieblichsten auf der Flöte spielte, so dass es das Herz ergriff. Er konnte Häuser bauen und Pferdewagen herstellen. 

Sie erblickten einander - da fuhr die Liebe wie der Blitz in ihr Herz. Sie liebten einander. Der Bursche kaufte Eszter ein himmelblaues Seidentuch und Plätzchen mit Spiegelchen und bat um ihre Hand. Aber die Hochzeit konnte sobald nicht stattfinden, denn der Bursche musste zu den Soldaten. Das Mädchen wartete treu auf ihren Geliebten. Abends wenn die Sonne hinter dem Berg versank, ging sie mit ihrem tönernen Krug zum plätschernden Brunnen unter den Fichten und sehnte sich nach ihrem Herzallerliebsten.  Sogar die nahen Berge wurden weich von ihrem schmerzlichen Gesang. 

Der Rote See (Lacul Rosu)Der Rote See (Lacul Rosu)

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Es geschah aber einmal an einem Sonntagnachmittag, dass ein Räuberhauptmann Eszter erblickte. Er nahm das wunderschöne Mädchen zu sich auf seinen Sattel und galoppierte wie der Sturmwind zum Kleinen Suhard, mitten der Felsen mit ihren tausend Gesichtern. Dort war sein Lager. 

Er versprach ihr alles Gold und Silber, wollte ihr ein herrliches Schloss bauen, wenn sie ihn liebe. Das Mädchen schenkte ihm aber ihre Liebe nicht. Es wartete getreu auf seinen Geliebten, wenn die Sonne auf- und wenn sie unterging. Da wurde der Räuber wütend und wollte Eszter zwingen, seine Frau zu werden. Eszter rief ihre stummen Augenzeugen, die Berge, um Hilfe an. Ihre Not rührte die harten Felsen und in einer Julinacht antworteten sie mit einem Donner, als ob Himmel und Erde einstürzten. 

Der Regen strömte, durch die pechschwarze Nacht zuckte der Blitz.  Als der Morgen graute, stürzte mit gewaltigem Getöse ein riesiger Felsblock in die Tiefe, und begrub alles unter sich: das Mädchen, den Räuber und auch den Schäfer mit seiner Herde, die auf der Wiese am Hügel gegenüber weidete. 

Der Nebel zerstob, und die Sonne des letzten Julisonntags sandte ihr goldene Strahlen auf das Felsengewirr. Das Tal, in dem gestern noch der Rotstein-Bach geplätschert hatte, war vom herabgestürzten Gestein verschlossen. Das Wasser staute sich, schwoll und schwoll, und in der schlammigen, trüben Flur ertranken Blumen und Gräser, Büsche und Bäume. Im engen Tal entstand ein See. Klar und still liegt er jetzt da. Aus seinem graugrünen Wasser ragen auch heute noch die Überreste des Nadelwaldes heraus. Zwar wird von den Schäfern der Umgebung der Berg "Mörderberg", der See "Mördersee" genannt, aber längst ist sein Flur nicht mehr trüb, längst birgt er lebendiges Wasser, Wasser des Lebens. 

Wenn du im Sonnenschein hineinschaust, blicken sanft die graugrünen Augen von Eszter zu dir zurück. 

(Quelle: www.karpatenwilli.com)

OstkarpatenOstkarpaten

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Vom Lacul Rosu geht´s dann noch mal rund 11 Kilometer weiter über die gut ausgebaute DN 12c in Richtung Osten und dann, ja dann bleibt einem fast die Spucke weg: 10 Kilometer führt der Weg durch eine tief eingeschnittene Schlucht, senkrecht ragen die Kalkwände mehr als 100 Meter in die Höhe. 

Blick von Oben in die Schlucht (Quelle: Wikipedia)Blick von Oben in die Schlucht (Quelle: Wikipedia)

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Wie fast überall in Rumänien auch an diesem touristischen Highlight: Verkaufsstände von Trödlern, Souveniers, Plunder, die "neueste" Mode, selbst gepflücktes Obst, Honig, Käse ... viele Dinge, die die Welt entweder nicht braucht, oder die ich mir dort sicherlich nicht kaufen würde. In einem Land, in dem z.B. eine Lehrerin umgerechnet 350 Euro im Monat verdient, ernährt vermutlich auch diese Form der Einnahmeerzielung den Menschen.

Es ist für mich immer wieder erstaunlich, an welchen abseitigen Stellen im Lande - aus mitunter kleinsten Verkaufsbuden heraus - selbst erzeugte landwirtschaftliche Produkte verkauft werden. Selbstverständlich unter Einhaltung der deutschen Standards der Lebensmittelhygiene ;-) 

Wenn man sich mit den Fragen der Altersabsicherung der Landbevölkerung befasst, gewinnt man Verständnis dafür, dass in vielen der vorgenannten Verkaufsstände Mütterchen oder Väterchen im Greisenalter versuchen, ihre Waren an den Mann bzw. an die Frau zu bringen. Das Leben in Rumänien ist hart und für viele Menschen kein Ponyhof ...

In der SchluchtIn der Schlucht

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Nachdem man die Schlucht von Bicaz passiert hat, kommt man nach einigen Kilometern in die gleichnamige Stadt: Bicaz in eine Ortschaft in den Ostkarparten mit rund 6.500 Einwohnern, die nach meiner Kenntnis überwiegend von ungarisch stämmigen Rumänen bewohnt wird. Bicaz ist erst 1960 mit der Anlegung des Stausees Ivorzul Muntelui  (Lacul Bicaz) zur Stadt erhoben worden. 

Der Lacul Bicaz ist der größte See im gesamten rumänischen Staatsgebiet.

Mit dem Motorrad bin ich 2013 die Ostseite dieses Sees entlang gefahren; eine Strecke von rund 40 Kilometern.

Phasenweise erinnert mich der Blick auf den See und Landschaft, die ihn umgibt, an den Lago Lugano in der Schweiz ... einfach nur wunderschön.

Der Stausee dient der Stromerzeugung und hat ein maximales Speichervolumen von 1.250 Millionen Kubikmeter.

Der See ist ein beliebtes Touristenziel.

Lacul BicazLacul Bicaz