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Hermannstadt drängt sich als Urlaubsdestination sowohl für Kurz- als auch Langzeitreisende auf: Kultur, hochklassige Gastronomie, historisch interessante und spannende Stadtstrukturen, die sanften Hügel Transsilvaniens und hochalpine Landschaften ... alles im Umkreis weniger Kilometer zu erreichen.

In Hermannstadt herrscht kontinentales Klima, was zu heißen Sommern und kalten Wintern führt. Noch im November habe ich in Hermannstadt bei angenehmen 20 Grad unter freiem Himmel meinen Kaffee getrunken. In den Wintermonaten sinkt die Quecksilbersäule oftmals auf - 20 Grad Celsius.

In Siebenbürgen bildet Hermannstadt das Oberzentrum im wichtigsten Siedlungsgebiet der Siebenbürger Sachsen. Die Siebenbürger Sachsen sind eine deutschsprachige Minderheit die seit dem 12. Jahrhundert in Siebenbürgen ansässig ist.

Um das Jahr 1930 lebten etwa 300.000 Siebenbürger Sachsen in Siebenbürgen. Im Jahr 2007 waren es nur noch knapp 15.000. Die große Mehrheit wanderte ab 1990 vor allem nach Deutschland aus. 

Die historischen Ursprünge der Besiedlung durch die Siebenbürger Sachsen, deren Herkunftsgebiete größtenteils in den heutigen Regionen Flandern, Wallonien, Luxemburg, Lothringen, Westerwald, Hunsrück und Westfalen lagen, sind zum großen Teil durch Legendenbildung überformt. Die heute angenommene und wahrscheinlichste Theorie sieht den Ursprung der Besiedlung in den Kreuzzügen. Auf dem Weg ins Heilige Land kamen die Kreuzritter mit ihrem Gefolge südlich der Karpaten entlang. Man geht davon aus, dass das die Kreuzritter begleitende "einfache Volk" durch Angebote des ungarischen Königs dazu bewogen wurde, sich aus dem Zug zu lösen und ihr Glück in Siebenbürgen zu versuchen. Sie erhielten freies Land, mehr Rechte und damit bessere Lebensbedingungen als in ihren Herkunftsregionen. Die Kreuzzügler wanderten von der Donau aus durch den Rotenturmpass (niedrigste Passüberquerung der Südkarpaten) vor Hermannstadt an. Aus den Anfangszeiten dieser Besiedlungswelle stammt die in Kerz zu besichtigende Ruine der Zisterzienserabtei (siehe Unterseite "Transfagarasan").

Entgegen der weit verbreiteten Meinung leben in Siebenbürgen allerdings nicht nur Sachsen, sondern auch Landler.

Als Landler bezeichnet man die Protestanten, die  vor allem unter Kaiserin Maria Theresia in der Zeit von 1733 bis 1776, u.a. aus dem österreichischen Kernland stammend, nach Siebenbürgen deportiert wurden.

Viele Landler leben heute in Neppendorf (Rumänisch: Turnisor), einem Vorort von Hermannstadt.

Fenster in der ev. Stadtkirche Sibiu zur Erinnerung an die Deportation der Landler, (c) Berthold LüfFenster in der ev. Stadtkirche Sibiu zur Erinnerung an die Deportation der Landler, (c) Berthold Lüf

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Ich bin seit vielen Jahren in Rumänien unterwegs, in jüngster Zeit verstärkt mit dem Mietwagen. Nach all dem, was ich gesehen und erlebt habe, ist für mich Hermannstadt eine der schönsten Städte im Land. Als besonders angenehm empfinde ich die schnelle und unkomplizierte Anreise mit den Fliegern von Wizz-Air, die die Städte Dortmund und Sibiu direkt verbinden. Dem Reisenden kann ich aus eigener Erfahrung eine Übernachtung in der "Evangelischen Akademie Siebenbürgen" in Neppendorf empfehlen, die von meinem Freund, dem evangelischen Dekan von Hermannstadt, Dietrich Galter, geleitet wird. Vom Flughafen bis zur Akademie sind es 2000 Meter. Unmittelbar neben der Akademie liegt das von einem deutsch-rumänischen Ehepaar geführt Hotel "Santa Maria", welches ich vorbehaltlos ebenfalls empfehlen kann. Die Taxifahrt von Neppendorf bis in das Stadtzentrum von Hermannstadt (rund 4 Kilometer) kostet 10 Lei (= 2,50 Euro).

Seit jeher hat Hermannstadt den Ruf eines kulturellen und geistlichen Zentrums. Die Stadt atmet an jeder Stelle "Kultur pur": Die ersten Theater und Lichtspielhäuser Siebenbürgens fanden sich in Hermannstadt.

Erwähnenswert sind das Astra-Theater und das „Radu-Stanca-Nationaltheater“, das eine deutschsprachige Abteilung besitzt.

Ebenso finden in Hermannstadt jährlich diverse Festivals statt, darunter auch das Astra-Film-Festival, bei dem mein Freund Björn Reinhardt (zu ihm später mehr) mit seinen Dokumentarfilmen vertreten ist.

Besonderer Erwähnung bedarf auch das Brukenthal-Museum an der Piata Mare, dem großen Platz. Der Stifter dieses Museums war Samuel von Brukenthal (1774 - 1787 habsburgischer Gouverneur von Siebenbürgen). Anfang des 19. Jahrhunderts wurden sämtliche Kunstwerke dem Testament Brukenthals entsprechend der Gesamtheit der Siebenbürger Sachsen und ihrer evangelischen Landeskirche zugänglich gemacht.

Unmittelbar neben dem Brukenthal-Museum findet sich das Rathaus.

Die Schiller-Bücherei auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes ist einen Besuch wert: Hier spricht man nicht nur deutsch, sondern es gibt auch nur deutsche Literatur zu kaufen.

Für wenig Geld gibt es einen aussagekräftigen Stadtplan, der einem die erstmalige Erkundung dieser wundervollen Stadt etwas vereinfacht. 

Im Übergang von der Piata Mare zur Piata Mica sieht man die Lügenbrücke, die im Jahr 1859 von Gustave Eiffel errichtet wurde und der Sage nach einstürzen soll, wenn man auf ihr lügt. Vermutlich sieht man deshalb auf der Brücke viele Brautpaare, die sich ewige Liebe schwören ...

LügenbrückeLügenbrücke

Lügenbrücke, Weihnachtsmarkt 2016Lügenbrücke, Weihnachtsmarkt 2016

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Die Themen "Essen" und "Trinken" bedürfen für den Sibiu-Interessierten und potentiellen Gast in dieser wundervollen Stadt vermutlich einer besonderen Aufbereitung. 

Ich habe in Rumänien noch nie wirklich schlecht gegessen, einmal abgesehen von dem Zustand, der sich bei mir nach dem vierten oder fünften Mici einschleicht. Mir sind diese kleinen Cevapcici-ähnlichen Fleischröllchen etwas zu fett und zu weich in der Konsistenz. Die Rumänen lieben sie aber, also muss wohl etwas dran sein, am besonderen Geschmack.

Von erlesener Güte ist in Hermannstadt das Restaurant "Hermania" an der Strada Filharmonicii. Die Strada Filharmonicii findet man - ausgehend von der Nordostseite der Piata Mare - schräg gegenüber vom Deutschen Forum:

HermaniaHermania

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Der Internetauftritt vom Hermania erweckt zwar den Eindruck der Dreisprachigkeit (Rumänisch, Deutsch, Englisch), zeigt aber leider stets den gleichen Verweis: Varianta in limba Romana. Aber keine Sorge: Mit Englisch und sogar Deutsch kommt man gut klar.

Versprochen: Das Essen (und auch die Getränke) ist ein Genuss ...

Genussvoll schmausen kann man auch im Restaurant "Hochmeister" an der "Piata Friedrich Schiller". Zu finden ist die Piata Friedrich Schiller recht einfach: Man geht durch den gelben Torbogen (neben der Buchhandlung Schiller) an der dem Rathaus gegenüberliegenden Seite der Piata Mare.

Den Abend gemütlich ausklingen lassen kann man sehr gut im "Atrium", eine niveauvolle Wein- und Pianobar direkt an der Lügenbrücke.

Gasse unterhalb des Café Wien, Piata HuetGasse unterhalb des Café Wien, Piata Huet

Rathaus / Primaria an der Piata MareRathaus / Primaria an der Piata Mare