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Die Ténéré ist eine Sandwüste in der südlichen Sahara im Norden des Staates Niger und wird auch die Wüste der Wüsten genannt. Dieser Teil der Sahara gibt seit Jahrzehnten der auf besondere Reise-tauglichkeit getrimmten XT-Baureihe von Yamaha den Namen, wohl auch deshalb, weil jahrelang eine Etappe der Ralley Paris-Dakar durch diesen Teil der Wüste führte.

Nach einem schmerzhaften Bodenkontakt im Urlaub Anfang Juli 2009 habe ich das Motorrad-fahren einer sehr differenzierten Betrachtung unterzogen.

Das Wettrüsten der Motorradindustrie, die uns immer größere, stärkere, leichtere Maschinen als das Tor zum Zweiradparadies offeriert, führt in eine Richtung, die Maschinen gebärt, die von so manchem Fahrer kaum noch beherrscht werden können. Immer ausgeklügeltere Technik bringt uns jedes Jahr einige PS mehr, nach denen eigentlich niemand gefragt hat und die schon bald auf breiter Front mit Tussi-Schaltern (politisch korrekt: anwählbare Motorsteuerungsmodi) vom Alltagsfahrer wieder weggeknipst werden, weil so viel Leistung einfach nichts bringt. Beispiele hierfür gibt es viele, insbesondere bei den Maschinen mit an die 200 PS. Irgendwie geht das in eine nachdenkenswerte Richtung: Nachdenken über das, was wirklich wichtig ist.

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Die Ténéré vereint vieles von dem, was ich am Motorradfahren schätzen und lieben gelernt habe:

Die Maschine ist straßen und off-road tauglich, hat trotz der nur 50 PS akzeptablen Vortrieb bis ca. 130 km/h und verfügt über einen bemerkens-werten Sound, der allerdings auf langen Strecken nie aufdringlich und nervig wird.

Dabei ist das Mopped auch noch halbwegs bequem, was sich auf einer 5.000-Kilometer-Reise durch Osteuropa nach Rumä-nien im Sommer 2011 bewiesen hat: Am Schluss-tag sind wir von Viseu de Sus (Maramures) bis in die Nähe von Passau non-stopp mehr als 1.000 Kilometer gefahren. Ich war zwar nicht mehr frisch wie der junge Frühling, aber auch längst nicht so platt, wie ich es befürchtet hatte.

Sehr angenehm finde ich die Motorabstimmung der Ténéré, so dass das nervige Ketten-schlagen der BMW F 650 (mein Einstieg in die Endurowelt) im untertourigen Bereich hier nicht stattfindet.

Auf eines muss man sich allerdings einstellen: Das Gewicht beläuft sich vollgetankt (23 Liter!) auf rund 210 Kilogramm, was einem Hardcore-Enduro-Einsatz im Wege steht. Aber ganz ehrlich: Danach steht mir im hohen Alter auch nicht der Sinn. Spaß macht mir das "Endurowandern", also das ruhige und stressfreie Fahren auf grünen Wegen und Schotterpisten.

Dabei komme ich eher an die Grenze meiner off-the-road-Leistungsfähigkeit als meine Ténéré.

Ich bin allerdings auch eher jemand, der sorgsam, schonend und werterhaltend mit dem Material umgeht: Risiken für Mensch und Material müssen stets plan- und überschaubar sein. Diese Einstellung führt dazu, dass meine XT auch nach vielen Kilometern fast wie neu ausschaut ...

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PS und Höchstgeschwindigkeit haben mit Fahrspaß nicht zwangsläufig etwas zu tun.

Der Erwerb einer Yamaha XT 660 Z Ténéré als Ersatz für meine geschredderte Triumph Sprint ST war dann eine naheliegende Entscheidung, wenn man die Erinnerungen an das vorstehend beschriebene "Enduro-Wandern" berücksich-tigt.   Legende lebt

Die Legende lebt. Ich denke, dass man die Ténéré so oder so ähnlich mit wenigen Worten beschrei-ben kann. Das Typenkürzel "XT" steht in der Motorradwelt für Abenteuerreisen in ferne Länder, für Touren über Stock und Stein und für unverwüstliche Technik.

All diese Dinge haben auch bei mir für eine positive Kaufentscheidung gesorgt. Dabei hatte ich von Beginn an das feste Ziel, meiner Ténéré nicht nur die Rasengittersteine vor dem nächsten Aldi- oder Lild-Markt zu zeigen, sondern das Töff auch tatsächlich offroad einzusetzen.

Mit der XT in den Motorradhöhlen von Pekelne Doly (CZ)Mit der XT in den Motorradhöhlen von Pekelne Doly (CZ)

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Fazit

Nach knapp 30.000 Kilometern - vor allem auf langen Reisen - verbleibt mir festzustellen, dass Yamaha mit der XT ein erscheingliches, alltags-taugliches, robustes und gut verarbeitetes Mopped auf die leider völlig untaugliche Serien-bereifung gestellt hat. Das Mopped hat mich nie im Stich gelassen und der kraftvolle Schub des potenten Einzylinders erfreut mich heute noch und steht dem Fahrspass auf der Triumph Tophy in nichts nach.

Freude kommt allerdings beim Tankwart nicht auf, da die Ténéré nur zurückhaltend vom teuren Nass nippt: Ich habe sie schon mit deutlich unter 4 Litern gefahren. Normal ist ein Verbrauch von ca. 4,3 Litern auf 100 Kilometern.

Im Jahre 2013 habe ich dann die Ténéré nach rund 40.000 Kilometern verkauft und mir stattdessen eine BMW R 1200 GS zugelegt.

Schlussendlich war dies nicht die beste Entscheidung, aber dazu mehr in der Rubrik "BMW".