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Rumänien 2015: Alles schien wie immer, doch nichts war wie sonst.

Anders als in den Jahren zuvor waren wir diesmal mit doppelter Stärke unterwegs: 4 Männer, 8 Räder, 9 Länder.

Anders als sonst war auch das Durchschnittsalter, denn angesichts der Tatsache, dass zwei Reisepartner schon jenseits der 70 waren, wurde der alterstechnische Mittelwert doch ein wenig in die Höhe geschraubt. Alle Befürchtungen, die beiden "Rentner" würden uns in irgendeiner Weise fahr-, motorradtechnisch oder sonst irgendwie behindern, zerstreuten sich schnell.

Alles in Allem: Die beiden, Willi und Egon, waren eine Bereicherung der Tour.

 

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Der erste Teil, quasi der Prolog unserer Tour, führte uns drei Ennigeraner bei gelegentlichem Nieselregen zunächst durch Thüringen in den nördlichen Bayerischen Wald nach Schönsee, und zwar in den kleinen Ortsteil Gaisthal. Im "Gaisthaler Hof" haben wir dann unseren hohenlohischen Reisepartner Volkmar aufgesammelt, der von Süden kommend alleine angereist war. Gaisthal verabschiedete sich von uns mit blauem Himmel und gut gelaunt ging es dann durch Tschechien und die Slowakei nach Ungarn. Welch Wehmut die Vertriebenen des 2. Weltkrieges jahrzehntelang beim Gedanken an ihre alte Heimat beschlichen haben muss, haben wir uns im wahrsten Sinne des Wortes "erfahren": Böhmen und Mähren, wunderbare Landschaften. Kleine Straßen, umsäumt von Alleen, wenig Autoverkehr, liebliche Täler ... kurzum: Ein Genuß für jeden Motorradfahrer.

Zum Anhalten und Genießen blieb allerdings wenig Zeit, wenngleich wir unsere Reisegeschwindigkeit der Schönheit der Natur und dem behaglichen Kurvenswing weitestgehend angepasst haben: Hier und dort mal eine Pause,  die Besichtigung einer Sehenswürdigkeit, der Genuß einer landestypischen Speise ... "reisen, statt rasen" stand von Beginn an oben auf der Agenda.

Nach Übernachtungen in Schönsee (Bayerischer Wald) und Mikulov (CZ) haben wir mit der dritten Übernachtung in Eger (Ungarn) unsere Reisephase I abgeschlossen.

In Eger haben Volkmar und ich bereits 2014 übernachtet, hatten diesmal jedoch deutlich mehr Glück mit dem Hotel: Das "Hotel Minarett" ist auch - aber nicht nur - für Motorradfahrer sehr zu empfehlen. Für die Hotelleitung war es eine offensichtliche Freude, unsere Motorräder im hauseigenen Biergarten hinter dem Hotel untergestellt zu bekommen. Absolut save ... eine tolle Geste. Unmittelbar am Minarett und damit mitten in der Stadt gelegen ist es nur ein Katzensprung in die Innenstadt, in der wunderschöne Prachtbauten noch noch heute vom Glanz der Habsburger Monarchie zeugen und zahlreiche Weinlokale zum genießen einladen.

Berthold, Volkmar, Egon, Willi (von links)Berthold, Volkmar, Egon, Willi (von links)

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Am vierten Tag ging es dann von Eger in Richtung des ungarisch-rumänischen Grenzübergangs bei Oradea. Wie auch im Jahr zuvor begleiteten uns die Regenwolken aus Eger hinaus in Richtung Grenze. Nach und nach gewann dann die Sonne die Oberhand und gegen Mittag knallte sie unbarmherzig vom strahlend blauen Himmel.

Bei entsprechendem Fahrtwind wäre dies kein Problem gewesen, aber unmittelbar hinter Oradea war dann für geraume Zeit Schluss mit Lustig und nichts mit Fahrtwind: Die Tatsache, dass es in Rumänien wirtschaftlich berauf geht, sieht man am ehesten am fortschreitenden Ausbau des Straßennetzes. Nicht nur zwischen Sibiu und Sebes gibt es neuerdings eine feine Autobahn: Auch von Oradea aus in Richtung Muntii Apuseni wurde die DN 76 auf einer Strecke von 58 Kilometern erneuert. Der Baustellenverkehr in Richtung des Apusener Gebirges ähnelte den Sanierungsaktivitäten auf so mancher Ruhrgebietsautobahn. 58 Kilometer non-stop bei über 30 Grad, kein Schatten, kein Lüftchen ... und alle 1000 Meter eine Baustellenampel. Anfahren, Abbremsen, nächste rote Ampel ... der Blutdruck stieg umgekehrt proportional zur Laune. 

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Wir wären vermutlich dem Wahn verfallen, wenn nicht irgendwann eine stoische, nahezu buddistische Gleichmütigkeit von uns Besitz ergriffen hätte. Es mag sein, dass dies aber auch die ersten Anzeichen einer bevorstehenden Dehydration waren ;-)

Baustelle ...Baustelle ...

Nach gefühlten Stunden, die wir in dieser Baustellenlandschaft vertrödelt haben, ging es dann tatsächlich ampelfrei weiter und wir wurden für die Mühsal reichlich entlohnt: Das Apusiener Gebirge, auch als "Westkarpaten" bekannt, bietet nicht nur eine atemberaubende, wilde Landschaft, sondern Kurven, Kurven, Kurven ....

Der Tag fand dann in der "Casa Apuseana" in Lupsa seinen Ausklang, untermalt mit Glockengeläut aus dem benachbarten Kloster.

Die Casa Apuseneana, gelegen an der DN 75 in Richtung Turda, ist wärmstens zu empfehlen: Saubere Zimmer, ein toller Biergarten, sehr gutes Essen und ein fürsorglicher Service (auch für unsere Motorräder). Die unmittelbare Nachbarschaft des Klosters lockte uns zu einer Besichtigung: Erstmalig erwähnt im Jahre 1429 gehört diese Anlage zur ältestens im ganzen Lande. Zu unserer großen Freude fand an diesem Tage wohl eine kongressähnliche Zusammenkunft rumänisch-orthodoxer Mönche statt. Diese sorgten mit ihren gregorianisch klingenden Gesängen für ein echtes Gänsehautfeeling.

Nach einem ausgedehnten Frühstück ging es dann in Richtung Hermannstadt / Sibiu. Von einem rumänischen Freund hatte ich den Tipp bekommen, auf dem Weg einen Abstecher zur Saline von Turda zu machen.

Saline TurdaSaline Turda

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Es sollte sich lohnen: Die Saline, tief unter der Erde, zeugt noch heute von längst vergangenen Zeiten, als hier unter der Kaiserin Maria-Therasia zur Blütezeit der Habsburger Salz abgebaut wurde. Man taucht ein in eine bizarre Welt voller Salzkristalle, marmorierter Wand- und Deckenstrukturen, einem großen Salzsee - und das alles weit unter der Erdoberfläche.

Bereits in römischer Zeit wurde hier und in der Umgebung Salz abgebaut. In einem Dokument einer ungarischen Kanzlei aus dem Jahr 1075 wird erstmals die Burg Turda als Zollstelle der Salzbergwerke und des Salzabbaus in Turda erwähnt. 1271 wird in einer Urkunde die Schenkung des Salzbergwerks an das Transsilvanische Kapitel erwähnt. 1690 begannen unter Habsburger Herrschaft die Arbeiten am heutigen Bergwerk.

Das Salz wurde bis zum Jahr 1862 gewonnen, danach wurde die Gewinnung nach und nach eingestellt. 1932 kam der Salzabbau gänzlich zum Erliegen. Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Stollen als Luftschutzbunker genutzt; nach dem Krieg dienten sie bis 1992 als Käselager und wurden schließlich zum Schaubergwerk mit Bergwerksmuseum ausgebaut.

(Quelle: Auszugsweise Wikipedia)

Nach diesem abenteuerlichen Ausritt in die Unterwelt fuhren wir dann bei herrlichem Wetter weiter in Richtung Biertan, einem kleinen Ort, der noch heute von den Siebenbürger Sachsen Bierthälm genannt wird.

Bierthälm selbst ist städtebaulich nicht unbedingt eine Reise wert, aber die Kirchenburg ist nicht ohne Grund in das UNESO-Weltkulturerbe aufgenommen worden: Wuchtig, düster, beeindruckend.

Biertan / BierthälmBiertan / Bierthälm

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Nach einem kleinen Schwätzchen mit in Deutschland lebenden Sachsen, die offensichtlich jedes Jahr in die Heimat ihrer Vorfahren "pilgern", haben wir uns über kleine Nebenstraßen auf den Weg in Richtung Sibiu / Hermannstadt gemacht.

In diesem Teil Siebenbürgens bekommt man heute die aus meiner Sicht verfehlten Versuche der Sesshaftmachung der Roma eindrucksvoll vor Augen geführt: Ehemals blühende siebenbürger Dörfer, die in den frühen 1990ger Jahren nach dem Exodus der Sachsen in Richtung Deutschland von Roma besiedelt wurden, sind heute in großen Teilen heruntergekommene Ansiedlungen.

Aus nahezug jeder Fuge bröckelt es,

Dachstrukturen sind mitunter stark lückenhaft, und bei manchen Häusern weiß man nicht genau, ob diese nun gleich in sich zusammenstürzen oder ob man kurz davor ist, sie zu sanieren.

Eine kleine, mir bei einem Besuch in Hermannstadt in Oktober 2015 zugetragene Geschichte, belegt das problematische Miteinander von Rumänen, Sachsen und Roma: Ein Eigentümer aus Sibiu wollte sein vor Jahren verlassenes Haus in einer kleinen Ansiedlung in der Gegend um Biertan wieder einmal in Augenschein nehmen, um sich ein Bild über den Zustand zu machen. Er war wohl mehrere Jahre nicht mehr vor Ort und rieb sich verwundert die Augen: Das Nachgebäude stand noch. Von seinem Haus war kaum noch etwas zu erkennen. Es war in den Jahren als vermeintlich unbewohntes und damit unbenutzes Haus Stein um Stein - vermutlich von den Roma - abgetragen worden. Die Fenster, Türen, Ziegel und Steine haben wohl an anderer Stelle eine neue Funktion übernommen.

Der Umgang mit den Roma ist übrigens ein ganz eigenes Thema, welches mich bei meinen Reisen durch das Land in allen Facetten begegnet ist: Von einem problemlosen Miteinander bis hin zur absoluten, hassgeprägten Ablehnung habe ich alles erlebt.

Rathaus / Primaria SibiuRathaus / Primaria Sibiu

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Ganz anders als die ländlichen Strukturen um Biertan präsentiert sich dann Hermannstadt / Sibiu: Eine pulsierende Stadt voller Lebensfreude und Kultur, geprägt durch eine mittelalterliche städtebauliche Struktur mit einem ganz eigenen, einem ganz besonderen Charme.

Der langjährige Bürgermeister und heutige Staatspräsident, Klaus Johannis, hat ganze Arbeit geleistet. Nicht ohne Grund war Hermannstadt die Kulturhauptstadt Europas im Jahr 2009.

Da Liebe bekanntlich durch den Magen geht, kann ich die siebenbürgische Küche aus voller Überzeugung wärmstens empfehlen: Schmackhaft, nicht zu fett, preiswert. Wer in Hermannstadt gut essen gehen möchte und sich dabei noch so manchen Tropfen kühles Bier durch die Kehle schüttet, sollte umgerechnet 15 Euro einplanen.

Sehr gut gegessen habe ich übrigens mehrfach im Hermania Albota in der Nähe der Piata Mare (schräg gegenüber dem Deutschen Forum).

Das Übernachtungsangebot in Sibiu ist umfangreich und gut - wie in ganz Rumänien. Besonders empfehlenswert sind die Pension "Santa Maria" und die "Evangelische Akademie Siebenbürgen" in Neppendorf / Turnisor, einem kleinen Vorort von Hermannstadt (Nähe Flughafen). Beide Übernachtungsmöglichkeiten liegen 50 Meter auseinander. Für die rund 4 Kilometer bis in die Innenstadt ruft der freundliche Taxifahrer rund 2,50 Euro auf. Im Preis inbegriffen sind für mich immer interessante Gespräche mit dem Chaffeuer, die ich zur Verbesserung meines rumänischen Kauderwelsches nutze ;-)

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Nach einem Ruhetag in Sibiu sind wir dann bei strömendem Regen in Richtung Petrosani aufgebrochen.

Während ich im Jahr 2013 die Transalpina-Road vom ersten bis zum letzten Kilometer gefahren bin, sind wir diesmal kurz hinter der Ortschaft Obarsia Lotrului rechts abgebogen.

Was von dort an auf rund 20 Kilometern bis zum Hotel auf uns wartete, hatte mit Straße nicht mehr viel zu tun. "Hut ab" vor den Leistungen, die unsere beiden "Senioren" auf ihren Straßenmaschinen (BMW R 1200 RT) erbracht haben. Müde und abgekämpft kamen wir am frühen Nachmittag in unserer Unterkunft an: Die Anfahrt zum "Hotel Rusu" befindet sich rund 5 Kilometer vor Petrosani. Von dort an geht´s dann links nochmals ungefähr fünf Kilometer rauf in die Berge.

Das Hotel: 1a mit 5 Sternchen. Essen super gut, Trinken noch besser, Bedienung und Service mega gut ... und das alles zum Spottpreis. Die "Dorade im Salzmantel" kostete zum Beispiel umgerechnet 8 Euro.

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Übrigens: Wer heute auf der Transalpina noch Schotterpassagen sucht, sucht vergebens. Noch im Oktober war der Streckenabschnitt in Höhe des Steinbruches unbefestigt - im November feinster Asphalt. Ähnlich verhält es sich mit dem vorgenannten Streckenabschnitt zum Hotel: Im Oktober 2015 konnnte ich angeregte Straßenbautätigkeit wahrnehmen. Die Straße war gesperrt, was die Hoffnung keimen lässt, dass hier das Asphaltband ebenfalls erneuert worden ist.

Allgegenwärtig ...Allgegenwärtig ...

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Der Folgetag erfreute uns mit strahlend blauem Himmel und so war es für uns kein Problem, einen kleinen Umweg nach Hunedoara in Kauf zu nehmen. Dort sollte sich eine "schöne Burganlage" befinden. Nun, was wir dort zu Gesicht bekamen, hat uns fast umgehauen. Die Burg Hunedoara, oder auf rumänisch "Castelul Corvinilor" wird nicht zu Unrecht häufiger als Kulisse für internationale Filmproduktionen genutzt.

Rund eine Stunde dauerte die Besichtigung, danach haben wir uns auf den Weg in Richtung Ungarn gemacht. Bereits im Jahr 2013 haben wir in Makó übernachtet, und zwar in der "Autos Panzio", südlich vor Makó gelegen. Bis in die Stadt sind´s noch rund 2 Kilometer. So gerne ich gute Hotels lobe, so deutlich muss ich hier sagen, dass dieses Hotel in den vergangenen zwei Jahren deutlich an Service eingebüßt hat. Kurzum: Das schlechteste Hotel auf unserer gesamten Reise, nicht mehr zu empfehlen.

Nach einem gruseligen Frühstück in Makó und einem Zwischenstopp in im östlichen Kroatien waren wir dann zweit Tage später am Mittelmeer: Auf der Insel Rab wollten wir zwei Warmbadetage verbringen

Burg HunedoaraBurg Hunedoara

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Reisepartner und Freund Egon ist seit mehr als 40 Jahren in Kroatien unterwegs, was man bei jedem Atemzug zu vernehmen schien: Es war wohl mit jedem Stein und jeder Palme per Du. Mit einem solch perfekten Guide an unserer Seite haben wir die beiden Tage in vollen Zügen genossen. 

Gleich nach unserer Ankunft ging es in das unmittelbar neben unserer kleinen, schnuckeligen Pension befindliche tiefblaue Mittelmeer ... eine Runde schwimmen. Der Folgetag stand ganz unter dem Zeichen einer tiefenscharfen Stadtführung in Rab, der Hauptstadt der Insel. Stundenlang hat uns Egon mit nicht nachlassender Begeisterung in dieser wunderschönen, sehr beeindruckenden Stadt herumgeführt, vermutlich jeden Winkel beleuchtend. Allein die Rückfahrt zum Hotel mit dem Taxiboot wird uns noch lange in Erinnerung bleiben.

Nach einem ausgedehnten Frühstück ging es dann am dritten Tag in Richtung Norden, also in Richtung Heimat.

Blick aus dem HotelzimmerBlick aus dem Hotelzimmer

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Wie bereits im Jahr 2012, als wir vom Endurofahren aus Bosnien auf dem Heimweg waren, so haben wir uns auch in diesem Jahr eine Übernachtung beim Wenzel in Zakoica (Nähe Tolmin) nicht nehmen lassen. Nach beeindruckenden 12 Kilometern auf Nebenstraßen hinauf zum Ferien- und Reiterhof vom Wenzel und einem bekanntermaßen guten und deftigen Essen ging es dann am Folgetag hoch hinauf in die Alpen.

Ich hatte viel gelesen und auf YouTube gesehen von der Großglockner-Hochalpenstraße, aber lesen und Videos schauen ersetzt nicht den realen, ungefilterten Anblick. Was für eine Erlebnisstraße, denn das ist der einzige Zweck dieses wundervollen Asphaltbandes. 

Am 3. August 1935 wurde die Großglockner-Hochalpenstraße nach fünfjähriger Bauzeit eröffnet. Der Bau der Hochgebirgsstraße hatte eine beachtliche Menge an Arbeitsplätzen geschaffen, allerdings blieb im Vergleich zur deutschen Rüstungskonjunktur dieser Effekt beschränkt. Immerhin waren insgesamt 3200 Mitarbeiter maßgeblich am Bau beteiligt gewesen (Quelle des letzten Absatzes: Wikipedia).

Vom Großglockner war es dann nicht mehr weit bis nach Hause ...

GroßglocknerGroßglockner