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Polen sollte es sein. Masuren und die Beskiden, Danzig und Zakopane. Nächtelang eine tolle Tour ausgearbeitet. Dann reichte allerdings ein kurzes Nachdenken und es war klar: Es geht wieder nach Rumänien. Der südöstliche Teil der Pannonischen Tiefebene sollte es sein. Brasov - oder auf Deutsch Kronstadt - war dafür auserkoren, unser Bild von Rumänien abzurunden.
 
Abfahrt Enniger, meinen Reisepartner in Crailsheim abholen, weiter nach Büchlberg (bei Passau) und dann über Wien und Bratislava nach Eger in Ungarn. Hat nichts mit dem Egerland in Tschechien zu tun, ist aber ebenso schön.
 
Wundervolle Stadt, tolle Weinstuben, super Essen, sauberes und piekfeines Umfeld. Also irgendwie genau das Gegenteil von unseren Duschmatten in der Pension "Romantika", die vermutlich das letzte mal vor dem Fall des eisernen Vorhangs eine Waschmaschine gesehen und somit schon niedere Lebensformen hervorgebracht haben.
 
Den Schock der Duschmatten überstanden, den aufkommenden Herpes mit Zovirax in die Schranken gewiesen, graute uns der nächste Morgen: Grau in grau, es schüttete wie aus Kübeln.

EgerEger

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Es sollte so bleiben bis zu unserer Ankunft bei Björn und Florentina im Weintal von Viseu des Sus (Oberwischau). Kaum das Plopp vom Entkorken der Bierflaschen vernommen, riss der Himmel auf und schenkte uns einen schönen Abend in den Maramures.

Am Folgetag, die Rechnung bei Björn noch offen, weil wir zum Bezahlen noch mal wiederkommen wollten, ging es dann in östliche Richtung in die Moldau.

Suceava war das Ziel, und zwar das Hotel Sonnenhof. Glaubt man nicht, ist aber so: Hotel Sonnenhof, ein typisch rumänischer Hotelname. Vor dem Ziel hat uns der liebe Gott jedoch einen Berg gebaut, den es erst off the Road zu überqueren galt.

Es ging rund 30 Kilometer über Schotterpisten, mal schlecht, mal noch schlechter. Am Ende - und ich schäme mich nicht - war ich nassgeschwitzt und mir zitterten die Knie.

Dann mahnte mein Reisepartner zur Eile, weil Deutschland gegen Frankreich bei der Weltmeisterschaft ran musste.

Hotel Sonnehof, SuceavaHotel Sonnehof, Suceava

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Das Hotel Sonnenhof entpuppte sich als ein wahrer Glücksgriff. Selbst nach Maßstäben des DEHOGA würde ich vier Sterne geben. Kurz und gut: So muss Hotel, da freut sich der Gast. Was man übrigens von Suceava nicht behaupten kann. Das Stadtbild ist eher nüchtern sozialistisch als verspielt wienerisch, wie ich es von Hermannstadt / Sibiu kenne.

Im Hotel bedarf einzig das Thema Public-Viewing einer unmaßgeblichen Randbemerkung: Rudelgucken im Freien verlangt einen lichtstarken Beamer. So sahen wir eine weiße Leinwand mit ohne Fußball, weil null Kontrast nun mal nichts anderes zulässt. Dafür war zumindest ein leidenschaftlicher rumänischer Komentator zu hören. Nach dem dritten Bier war uns das dann auch egal.

Ganz egal war uns dann allerdings am Folgetag nicht der Umstand, dass wir von unseren vermeintlichen Freunden in Galati schlicht versetzt worden sind. Wir gingen dann halt alleine am Strande der Donau entlang. Das Essen auf dem am Ufer liegenden Ausflugsdampfer war vermutlich nicht schlecht, zumindest verhießen uns dies unsere Blicke auf die vollen Teller auf Nachbartischen.

Wir hätten gerne probiert, aber die Bedienung schenkte uns kein Auge. Mir knurrenden Mägen ging es dann in eine hotelnahe Pizzeria, die wir vom letzten Jahr schon kannten. Nicht grade eine landestypische Speise, aber der Magen will gefüllt sein. Fazit: Galati kann man besuchen, man muss es aber nicht ...

BrasovBrasov

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Am Folgetag ging es dann weiter, zumindest hatten wir den festen Willen, Galati so schnell wie möglich zu verlassen.

Ging aber nicht, weil eine Schraube im Reifen der BMW meines Partners etwas dagegen hatte. Wir sind locker geblieben, haben den Reifen mit einem gummipilzähnlichen Propfen geflickt und konnten dann nach ´ner halben Stunde die Reise in Richtung Brasov fortsetzen.

Brasov war dann eine lohnenswerte Erfahrung. Untergebracht im Hotel "Deutsches Haus" haben wir an zwei Tagen diese wundervolle Stadt per pedes erkundet.

Die Innenstadt pulsierend, das Nachtleben - so zurückhaltend wir es wahrgenommen haben - bot volle Gaststätten und interessante Thekengespräche mit Einheimischen. Freundliche Menschen, wohin man auch kam.

Den zweiten Tag haben wir dann genutzt, um mit dem Motorrad die nähere Umgebung - vor allem in südlicher Richtung - zu erkunden.

Rosenau / Rasnov mit seiner Burganlage des Deutsch-Ordens bot ein faszinierendes Panorama. Bei kaum zu ertragenden Temperaturen weit jenseits der 30 Grad haben wir einige Stunden in diesem mittelalterlichen Gemäuer verbracht.

Bran ist dann ein "must have", wenn man schon in der Gegend ist. Bram Stoker hat seinen Dracula-Roman mit der Burganlage in Bran verknüpft - zumindest vermittelt die Anlage diesen Eindruck.

Allerdings bot sich uns ein Anblick von überwältigendem Nepp und Plunder, was uns eher abgeschreckt und zur zügigen Weiterfahrt animiert hat.

Amüsant war übrigens eine Begegnung mit einer deutschen BMW-GS-Reisegruppe unter rumänischer Führung. Aufgerödelt wie zur Sahara-Durchquerung, bestes Material in Touratech-Vollausstattung, aber die Motorräder mittels Anhänger von Deutschland nach Rumänien transportiert ... und plüschige Teddybären mittels Kabelbinder an einigen Maschinen drappiert. Eine Schraube im Reifen eines der Motorräder wurde dann zur großen gruppendynamischen Herausforderung. Nun ja, jeder ist halt auf seine Art der große Held.

Rosenau / RasnovRosenau / Rasnov

Bran ... Dracula´s homeBran ... Dracula´s home

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Nach zwei Tagen zog es uns weiter. Immerhin hatten wir noch einen Deckel bei Björn und Florentina, der bezahlt werden wollte. Und selbstredend wollten wir unsere Freunde in den Maramures wiedersehen und uns deren neues Ferienhaus hoch oben in den Bergen anschauen. 

Unsere Fahrt ging dann von Brasov aus in Richtung Norden - quer durch Siebenbürgen. Wir ahnten, dass uns ein schöner Landstrich erwarten würde, aber was uns dann an Panorama geboten wurde, ging dann doch warm ins Herz: Eine liebliche Landschaft mit kleinen Splittersiedlungen, schönen alten Wehrkirchen und allgegenwärtig waren die Leiterwagen und Pferdefuhrwerke. Pittoresk nennt man sowas dann wohl.

SiebenbürgenSiebenbürgen

landestypisches Fortbewegungsmittellandestypisches Fortbewegungsmittel

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Nach einem erbaulichen Tag bei herrlichstem Sommerwetter trudelten wir dann in den späten Nachmittagsstunden im Weintal bei Björn und Flori ein. Wie wir es erwartet haben, begrüßte uns Björn gleich mit einer lecker Flasche Ursus-Bier. Wir hatten viel zu erzählen, der Abend war lang.

Am Folgetag ging es dann mit dem Jeep rauf in die Berge. Björn und Florentina hatten sich in mühevoller Plackerei ein kleines Paradies in den Bergen geschaffen: Auf einer almähnlichen Wiese steht ein blaues Haus, umgeben von einer malerischen Bergkulisse.

Das Haus in den WolkenDas Haus in den Wolken

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Die Auffahrt in die Maramures zum Feriendomizil von Björn und Florentina ist etwas beschwerlich. Das erhabenen Bergpanorama, das sich dem Naturliebhaber beim Blick aus dem "Wolkenhaus" erschließt, ist jedoch jeden Meter im Jeep wert.
 
Ruhe - absolute Ruhe umgibt den von der modernen Zivilisation und den Mühen des hektischen Alltags Geplagten. Nur die Laute der Natur erreichen das Ohr des Entschleunigten.
 
Nun ja - uns erreichten auch einige zunächst harmlos aussehende dunkle Wolken, die sich jedoch der Wetterexpertin Florentina offenbarten und ihr ein heraufziehendes Unwetter prophezeiten.
 
Nach einer guten Stunde der Ruhe und Besinnung machten wir uns dann mit bangem Blick gen Himmel auf den Weg hinunter ins Tal. Das Unwetter erwischte uns auf der Abfahrt. Gut, dass wir in einer Blechdose gesessen haben - auf dem Motorrad hätte das böse enden können.

Das Haus in den WolkenDas Haus in den Wolken

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Am nächsten Morgen ging es dann bei strahlend blauem Himmel in Richtung Westen - der Rumännienurlaub neigte sich dem Ende entgegen. Der Plan war, über Klausenburg und Südungarn in Richtung Balaton und dann durch das Salzkammergut gen Heimat zu gondeln. 
 
Der Himmel war aufgerissen und offenbarte sein schönstes Blau, vom Unwetter am Abend zuvor nichts mehr zu sehen. Durch Bogdan Voda fahrend haben wir dann noch einmal die wundervolle Mittelgebirgslandschaft der Maramures genossen. Insbesondere die tollen Rundbögen, aus einem Holz geschnitzt, sind wohl einzigartig.
 
Der Reisetag begann also verheißungsvoll, wenngleich die untergeordneten Straßen und Wege durch das vorherige Unwetter ziemlich aufgeweicht und glitschig waren. Zunächst hatten wir noch einen halbwegs guten Straßenbelag, der sich allerdings nach einem kleinen Abzweig in eine Schotterpiste verwandeln sollte. Macht ja nichts: Genau das haben wir ja gesucht.
 
Der Schotter war etwas grobkörnig, was mir zum wiederholten Male die Sinnhaftigkeit des standfesten Aluminium-Unterfahrschutzes für meine Suzuki vor Augen führte: Ab und an hat es ganz schön gerumst, wenn man wieder ein etwas größerer Stein gegen das Blech knallte.

Holzschnitzerkunst in den MaramuresHolzschnitzerkunst in den Maramures

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Im Verlauf des Nachmittags, es ging wohl gegen drei, wurde mir eine unscheinbar ausschauende Schlammpfütze zum Verhängnis: Ich bin wohl - vielleicht nicht aufmerksam genug - mit dem Motorrad weggerutscht und nach rechts auf eine leicht abschüssige Weide gefallen. Leider kam dann das Töff mit rund 250 Kilo Lebendgewicht von oben nachgeflogen und hat mir - vermutlich mit der Eisenstange des Sturzbügels - das rechte Knie und das Sprunggelenk zerschlagen.
 
Nachdem der die Atemluft abschneidende erste Schmerz abgeklungen war, haben wir in Ermangelung anderer Alternativen die Reise fortgesetzt und Kurs auf das städtische Krankenhaus von Klausenburg / Cluj Napoca genommen. Während dieser rund 60 Kilometer hat sich der beißende Schmerz in einen dumpfen Dauerschmerz verwandelt. Im Hospital angekommen, durfte ich Zeuge der rumänischen Krankenhausinfrastruktur werden. Kurz und gut: Nach einer Stunde haben wir das Weite gesucht und sind die restlichen 1.500 Kilometer nach Hause gefahren. Diagnose daheim im Krankenhaus: Weichteiltotalschaden im Knie, alle Bänder gerissen und Menisken zerquetscht, aber Knochen nicht gebrochen.
 
Nach OP des Knies, konservativer Heilung des lädierten Syndesmosebandes im rechten Sprunggelenk und insgesamt drei Tagen "Krank feiern" war ich nach etwas mehr als zwei Monaten dann wieder ohne Gehilfen unterwegs.
 
Übrigens: Hätte ich die Diagnose meiner Sturzverletzung schon in Rumänien gekannt, wäre ich wohl nicht heimwärts gefahren.

Ende Gelände ...Ende Gelände ...

Lang die Naht ...Lang die Naht ...

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Fazit: Eine tolle Tour mit einem leider nicht ganz so tollen Ende. Noch heute, im Jahr 2017, hat sich das Sprunggelenk vom Sturz noch nicht  vollständig erholt; Die Folgewirkungen werden mir wohl erhalten bleiben.

Aber gelohnt hat sich´s mal wieder ... so oder so. Und in der Not erkennt man die Bedeutung verlässlicher Partnerschaft. Deshalb ist dieser Reisebericht auch meinem hilfsbereiten Gefährten gewidment. Danke!

Kleiner Nachtrag: Und nächstes Jahr geht´s wieder nach Rumänien ;-)

ohne Worte ...ohne Worte ...