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Vorgeschichte / Planung

Meine Motorradreisen haben mich in den letzten Jahren an die Orte gebracht, an denen man gemeinhin seinen Motorradurlaub verbringt. Bevorzugtes "Jagdrevier" sind die Dolomiten, Schwarzwald oder Bayerischer Wald. Mein Freund Ulrich und ich waren uns einig, dass dies im Jahr 2011 endlich anders werden sollte. Aber wohin? Frankreich? Süditalien? Skandinavien? Alles schöne Länder, aber für unser Vorhaben zuviel Mainstream und nicht nonkonformistisch genug. Ausgehend von verwandtschaftlichen Kontakten wurde dann das Augenmerk auf Rumänien gelegt. Rumänien? Unbekannt! Also grad gut genug, sich mit dem Land etwas näher zu beschäftigten.

Zu meinem 50. Geburtstag habe ich von meinen Kindern einen Gutschein für ein Off-Road-Trainingslager im Frühling 2010 geschenkt bekommen. Kann ja nicht schaden, als Endurist zu wissen, wie man auf Schotter und im Schlamm fährt und bremst. Während dieses Wochenendes - welches bei mir aus zeitlichen Gründen dann nur ein halber Tag war - habe ich einen netten Herrn aus Crailsheim kennen gelernt. Nennen wir ihn mal "Volkmar". Er war für das Jahr 2010 schon leidlich ausgebucht wegen seiner geplanten Tour nach Markko und ich wollte ohne mal durch Polen reisen. Also wurden Mail-Adressen ausgetauscht und dank überlagernder Interessen der Gedanke an eine gemeinsame Tour 2011 geboren.

Ok ... Rumänien. Aber wohin? Bei diversen Recherchen im Netz bin ich dann auf eine Pension in den Maramures (Nordkaparten) gestoßen, die angesichts der Tatsache, dass das Eigentümer-ehepaar deutsch / rumänisch war, meine geballte Aufmerksamkeit auf sich zog. Die Bilder im Netz verhießen Entspannung nach anstrengenden Tagestouren und die Topografie der Nord-kaparten verhießen eben genau dies: an-strengende Touren.

on the road ...on the road ...

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Anreise

Wohlgelaunt ging es im Juni 2011 von Ennigerloh aus in Richtung Erzgebirge. In der Pension "Zur Fichte" im Erzgebirge (jedem zu empfehlen, der ein gutes, sauberes und preiswertes Motorrad-hotel in einer landschaftlich reizvollen Region sucht) schlugen wir, Ulrich + Berthold, unser erstes Nachtlager auf.

Am Folgetag ging es dann durch Tschechien nach Oberschlesien, also nach Polen. Die zweite Nacht verbrachten wir in Zywiecz in der Nähe von Bielsko Biala an einem schönen Stausee. Das Hotel war gut und preiswert und der aus "eigener Herstellung" stammende Fisch ein Gedicht.

Am Folgetag wurde es dann spannend: Die Überquerung des kleinstes Hochgebirges Europas stand auf dem Programm: Von Zakopane in Polen rüber auf die slowakische Seite.

Die Hohe TatraDie Hohe Tatra

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Der vorher lediglich per Mail vereinbarte Code mit Volkmar lautete: Wir treffen uns um 15:00 Uhr hinter der größten Kirche von Spisska Nova Ves in der Ost-Slowakei. Niemand von uns war vorher jemals in dieser Stadt und Gott sei Dank hatte dieser Ort auch eine Kirche. Sonst wäre es vermutlich schwer geworden. Die Zusammen-führung unseres Teams klappte aber vorzüglich, wir mussten lediglich 15 Minuten warten - bei einer Anreise von über 1.000 Kilometern eine logistische Meisterleistung ;-)

Von dort aus ging es dann weiter durch die Slowakei ins nahe gelegene Kosice. Die Unterkunft dort war schlecht, dafür aber wenigstens teuer: Über 50 EUR ist schon eine bemerkenswerte Summe in Osteuropa. Nach einer halben Stunde war dann auch das Bier alle und der Orangensaft zum Frühstück musste noch aus dem Aldi geholt werden. Aber sonst war alles gut ...

Das Land der Träume ...Das Land der Träume ...

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Endlich Rumänien

Am vierten Tag der Reise standen wir dann endlich vor der rumänischen Grenze. Ich muss sagen: Ein erhabenes Gefühl, das Land der Träume erreicht zu haben.

Wenige Kilometer nach der Grenze dann das: Ein Pferdefuhrwerk. Sofort anhalten! Foto machen! Wenn wir gewusst hätten, dass die Population von Pferdefuhrwerken von Kilometer zu Kilometer immer größer wurde ... wir hätten uns das Foto sicherlich erspart.

unser erstes Pferdefuhrwerkunser erstes Pferdefuhrwerk

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Am Ziel

Von ungarisch-rumänischen Grenzort Satu Mare ging es dann noch rund 170 Kilometer über Sighetu Marmatiei nach Viseu de Sus. Diese Stadt hieß früher einmal Oberwieschau und beheimatet auch heute noch eine rege und engagierte deutschsprachige Minderheit, die Zipser, mit denen wir auf einer späteren Reise noch sehr angenehme Kontakte knüpfen konnten.

Die Auffahrt ins Weintal zur Pension von Björn und Florentina haben wir sicherlich eine halbe Stunde lang vergeblich gesucht, bis wir irgendwann Rat bei der Polizei gesucht haben: Kaum erkennbar zwischen Häusern ging ein Schotterweg, der zunächst den Eindruck einer Hinterhofeinfahrt erweckte, hinein ins Tal. Nach fünf Kilometern über herrlichen Schotter, belebenden Pfützen und ein wenig Schlamm kamen wir dann im Gästehaus im Weintal an.

Und was wir dort erblickten, verschlug uns glatt die Sprache: Ein malerisches Anwesen inmitten des sattesten Grüns, das ich jemals gesehen habe. Wir haben residiert wie die Fürsten, getrunken und gegessen vom Allerfeinsten.

Kurzum: es ging uns gut wie nie.

Das Gästehaus im WeintalDas Gästehaus im Weintal

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Das Gästehaus im Weintal ... oder: Das Paradies von Björn und Florentina

Nachfolgend habe ich ein kleines Video eingefügt, das einen guten Eindruck von dem vermittelt, was wir während unseres Aufenthaltes im Weintal genießen durften ... Ruhe, Beschaulichkeit .. die Seele baumeln lassen können ... den Alltag vergessen ...

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Unsere Touren in die Umgebung

Die Maramures sind ein Eldorado für Enduristen und solche, die noch nicht ganz so viel Erfahrung im Umgang mit Schotter, Schlamm und Forstwegen haben. Tagesetappen von 60 bis über 100 Kilometern ohne Asphalt unter den Reifen waren keine Seltenheit. Stundenlang alleine unterwegs in den Bergen, langsam und genießerisch die Gegend "erfahren", anhalten wo es einem gerade einfällt, Einsamkeit, die Landschaft genießen und dann, plötzlich und unerwartet, Gesellschaft von umherziehenden Schaf- und Ziegenhirten ... all das und noch viel mehr bieten die Maramures.

Es waren wundervolle Tage im Einklang mit uns selbst und voller Harmonie im Team.

FeuchtgebieteFeuchtgebiete

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Die Moldauklöster

Eine Tagestour von Viseu de Sus entfernt finden sich die Klöster der Bukovina. Die Klöster sind aufgrund der jahrhundertealten Wand- und Ikonenmalerei zum Weltkulturerbe der UNESCO erhoben. Es war schon mächtig beeindruckend, für einen Moment ein Teil dieser leicht bizarren Kulturlandschaft weltfremd scheindenden klöste-rlichen Lebens zu sein - große Besucherströme suchte man vergebens.

Das Kloster von MoldovicaDas Kloster von Moldovica

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Der Ausflug in die Ukraine zum geografischen Mittelpunkt Europas

Ennigerloh liegt im geografischen Mittelpunkt des Kreises Warendorf. Was liegt da näher, als sich den geografischen Mittelpunkt Europas etwas näher anzuschauen. Dieser liegt in der Ukraine, und zwar in der Nähe der Stadt Rhakiv. Dieses kleine Dörfchen ist über den in Sighetu Marmatiei zu nutzenden Grenzübergang relativ leicht zu erreichen und liegt ca. 100 Kilometer im Landesinnerern.

"Relativ" heißt hier: "Relativ" zu dem, was einem die ukrainische Staatsgewalt gönnt. Wir hatten unmittelbar nach  einem nervenden Einreise-prozedere sofort unliebsamen Kontakt zur korrupten Staatsmacht, die uns erst nach langen Verhandlungen mit einem "Zwangsumtausch" von 15 EUR pro Person hat weiterfahren lassen.

In all der Hektik haben wir uns den urkrainischen (d.h. kyrillischen) Namen der Grenzstadt nicht gemerkt und hatten am Ende der Tour große Not, dieses Grenzdörfchen wieder zu finden.

Der geografische Mittelpunkt selbst ist schon lohnenswert, zumindest das Foto am geodätischen Denkmal beweist den Erfolg unserer Reise.

... mit urkainischer Direktorenmütze... mit urkainischer Direktorenmütze

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Abschied

Nach fünf Tagen im Weintal hieß es dann Abschied nehmen.

Aufgrund eines Defektes an der Batterie von Ulrich haben wir dann den wahnwitzigen Entschluss gefasst, den Rückweg quer durch Ungarn via Autobahn anzutreten. Dauernd das Mopped wieder anzuschieben, schien uns auf den Nebenwegen in der Slowakei und in Polen nicht erstrebenswert.

Wenn´s erst mal läuft, dann läuft´s - so dachten wir uns und sind dann non-stop mehr als 1.000 Kilometer von Viseu de Sus bis kurz hinter Linz/Österreich gefahren. Dort haben wir das Nachtlager in einem kleinen Hotel aufgeschlagen und dann ging es nur noch heimwärts: rund 800 Kilometer bis nach Ennigerloh. Zwischenzeitlich verabschiedete sich dann Volkmar in Richtung Crailsheim.

Am Ende waren wir dann nach 1.800 Kilometern in zwei Tagen zwar leicht gerädert, aber doch heile und zufrieden wieder in unseren Heimatorten.

 

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Fazit:

Rumänien macht süchtig. Die Maramures sind toll und wir haben Björn und Florentina versprochen: Wir kommen wieder ...