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Nachdem wir in den letzten Jahren kreuz und quer und rauf und runter durch Rumänien gefahren sind, sollen uns unsere Mopeten in 2016 ausnahmesweise in eine andere Region Europas tragen: Die Pyrenäen waren auserkoren als Ziel. Unser "Basislager" wollten wir in Prades, und zwar in der Villa du Parc aufschlagen.

Prades schien uns geografisch besonders geeignet zu sein, zumal es bis zum warmen Mittelmeer nur rund 100 Kilometer sind. Bis nach Andorra ist´s ebenso weit, so dass wir witterungsabhängig das Hochgebirge oder das Meer wählen können. Für mich als ehemaligem Radsportler ist die Tatsache, dass nahezu zeitgleich zu unserem Aufenthalt der Tross der Tour de France in Andorra Halt macht, von besonderem Reiz. Ob´s am Ende für einen Besuch dieser Veranstaltung reicht, wird man sehen.

Aber nun der Reihe nach ...

Phase 1: Anreise

Am 07. Juli 2016 ging es für mich und meinen Partner Jürgen bei herrlichem Sonnenschein von Ennigerloh-Enniger zunächst via Autobahn bis kurz vor Saarlouis. Ich bin nun wahrlich kein Freund von "Kilometerfressen" auf der Autostrada, aber um zügig voranzukommen bleibt kaum eine andere Alternative.

Die erste Übernachtung stand dann nach etwas mehr als 600 Kilometern in einem kleinen, gemütlichen und zentral gelegenen Hotel in Langres auf dem Programm. Unser Reisepartner Volkmar wartete schon auf uns und wies uns den Weg durch die Fußgängerzone, weil Langres Innenstadt eine Großbaustelle zierte. Diese Verkehrsbehinderung hielt aber offenkundig die Dorfbevölkerung nicht davon ab, nach dem Sieg der französichen Nationalmannschaft gegen Deutschland im Rahmen der Fußballeuropameisterschaft die Nacht zum Tage zu machen. Wir haben ein wenig mitgefeiert und waren als deutsche Verlierer im Kreis der Franzosen auch wohl gelitten.

Hotel in LangresHotel in Langres

Der Folgetag führte uns dann rund 500 Kilometer weiter in den Süden. Übernachtet haben wir in einem guten Motel am Rande der Stadt Aurillac. Den Weg dorthin war traumhaft: Die wunderschöne Landschaft der Auvergne, verträumte kleine Straßen, verschlungene Wirtschaftswege und Alles in Allem Orte, an denen man gerne etwas länger verweilen würde. Unser Ziel hieß aber "Pyrenäen" und so ging es unaufhörlich weiter, weiter, weiter ...

Am dritten Tag der Anreise kamen dann endlich die Pyrenäen in Sicht. Allerdings wurde es mit jedem Kilometer, den wir weiter südwärts fuhren, gefühlt einen Grad wärmer. An einer Autbahnraststätte kurz vor Perpignan schmolz uns fast der Kopf im Helm: 42 Grad Celsius ... eine Temperatur, die beim Fahren das Gefühl vermittelt, jemand hielte einen Haarfön vor das Gesicht.

Erst in den Bergen wurde die Temperatur dann etwas erträglicher, die hohen Temperaturen sollte uns aber die nächsten Tage erhalten bleiben. Positiver Nebeneffekt: Bis dahin keinen Tropfen Regen!

Hitzekoller ...Hitzekoller ...

Phase 2: Pyrenäen

Unsere Unterkunft in Prades entpuppte sich als Volltreffer: Landschaftlich schön gelegen, Essen und Trinken im Haupthaus waren gut und die Phassen der Selbstverpflegung in unserem etwas abseits gelegenen Gästehaus klappten Dank des nah gelegenen Lidl-Marktes und der Grillkünste von Volkmar recht gut.

Unser Hotel in Prades ...Unser Hotel in Prades ...

Die Landschaft der Ostpyrenäen lässt sich von "wunderschön" bis "atemberaubend" beschreiben. Dank des ortskundigen Tour-Guides Roland, ein Hotelgast aus Oelde (Nachbarort von Ennigerloh ... die Welt ist ein Dorf), den wir zufällig in unserer Herberge getroffen haben, durften wir vermutlich die schönsten und kurvenreichsten Straßen und schönsten Landschaften erfahren.

Die sengende Hitze verfolgte uns sowohl beim Kurvenswing auf französicher als auch spanischer Seite der Pyrenäen.

Phase 3: Camargue, Arles und Avignon

Auch der schönste Aufenthalt ist irgendwann "an End" (wie man im Münsterland sagt) und so ging es nach fünf Tagen bei strahlendem Sonnenschein (bis dahin übrigens immer noch keinen Regen ...) via Autobahn in Richtung Camargue. Die Pyrenäen haben uns zwar ohne Regen, aber dafür mit einem veritablen Sturm, hier "Mistral" genannt, entlassen. Der obendrein heiße Starkwind forderte nicht nur auf der Autobahn die volle Konzentration ...

Auf Vorschlag von Jürgen haben wir dann einen überaus lohnenswerten Abstecher nach Aigues-Mortes ins Reiseprogramm eingebaut. Aigues-Mortes als ein kleines und unbedeutendes 8000-Seelen-Dörfchen zu bezeichnen, würde dem prallen Leben innerhalb der Stadtmauern Lügen strafen. Aigues-Mortes scheint angesichts seiner Geschichte und seiner städtebaulichen Struktur ein "must-have" für jeden Frankreichurlauber zu sein ...

Aigues-Mortes, MarktplatzAigues-Mortes, Marktplatz

Die Camargue ist hingegen motorradtechnisch eher nicht das große Abenteuer. Gleichwohl würde ich es vermissen, die Eindrücke dieses in der Verlandung sich befindlichen Naturschutzgebietes nicht in mich aufgesogen zu haben.

Nach rund 300 Kilometern haben wir dann die Nacht in Arles verbracht. Arles selbst ist eine Reise wert, allein wegen des Amphie-Theaters aus alter Römerzeit und der Spuren, die Vincent van Gogh dort hinterlassen hat. Ein Bier im "Café de nuit" war Teil unseres Besichtigungsprogrammes.

Auf die Qualität der Übernachtung im Hotel Balladins in Arles möchte ich nicht näher eingehen, da ich mich gerade in der Phase befinde, diese nachhaltig negativen Eindrücke aus meinem Gedächtnis zu verbannen. Aber das Attribut "gruselig" beschreibt sehr gut, worum es geht ...

Tags drauf führte uns der Weg nach Avignon, Brücke gucken ;-)

Nun gebe ich zu, dass ich außer der Existenz dieser Brücke nun nicht  viel - eigentlich nichts - von Avignon wusste. Diese Stadt hat allerdings viel mehr zu bieten und hat mich tief beindruckt. Der Papst-Palast, die mittelalterliche Stadtstruktur, die Kultur ... alles einen nochmaligen Besuch wert.

Phase 4: Die Provence, Monte Carlo und die

Cote d´Azur

Wir waren uns einig, den Moloch Marseille zu umfahren. Dafür haben wir uns vermutlich die schönste Alternative ausgesucht, nämlich eine Fahrt durch die Provence. Wenngleich der Lavendel nicht mehr in hoher Blüte stand, so ahnte man gleichwohl den besonderen Reiz dieser landschaftsprägenden Felder.

LavendelLavendel

"Reich und sexy" hieß ein Album der "Toten Hosen" aus dem Jahre 1993. Reich und sexy geben sich die Monegassen auf jeden Fall auch. Protz und Prunk am Hafen in einer Art und Weise, die nahezu sprachlos macht. Ansonsten ist die Stadt aus meiner Sicht einfach nur hässlich: Jeder Quadratzentimeter scheint zugebaut, eine durchgängige Architektursprache oder gar eine harmonische Stadtstruktur habe ich nicht erkannt. Gleichwohl sollte man Monte Carlo einmal gesehen haben.

Nach einem kurzen Stopp im Hafen und einer kleinen, durch Baustellen verursachten nicht so ganz freiwilligen Rundfahrt durch die Stadt trieben wir die Motorräder dann weiter in Richtung Osten ... immer nah am Strand entlang.

Irgendwo an der Hauptstraße - ich vermute, es war nahe Menton - haben wir dann in einem schönen Strandcafé unsere obligatorische Mittagspause eingelegt. Zu meiner Verwunderung war das Mittagsmenue (Spagetti Bolognese + Wasser / Cola) mit rund 13 Euro sogar bezahlbar.

Unbezahlbar allerdings ist das Flair der Cote d´Azur, inbesonder aus der Perspektive eines Motorradfahrers.

Phase 5: Das Piemont, Norditalien und der Passo Stelvio

So schön und nachhaltig die Eindrücke der Cote d´Azur auch waren, wir mussten weiter: Es ging dann in Richtung Nord-Ost, genauer durch´s Piermont mit einer Übernachtung in einer Herberge, irgendwo in den Bergen. Der Name des Ortes ist mir ebenso entfallen wie der Name der Unterkunft. Was mir allerdings in guter Erinnerung geblieben ist, waren die Übernachtungskosten incl. einem Teller Spagetti und drei (oder vier?) Bier in Höhe von 125 Euro.  Das Preis-/Leistungsverhältnis passte überhaupt nicht, was mir allerdings während unserer gesamten Tour aufgefallen ist. Wer also im Urlaub sparen möchte, sollte sich den Süden Frankreichs vielleicht nicht auf den Tourenzettel schreiben.

Landschaftlich ist das Piermont übrigens wunder-wunderschön.

Das PiemontDas Piemont

Weniger schön war dann die lange Autobahnhatz in Richtung Norden, die uns an Asti und Mailand vorbei bis kurz vor den Iseo-See gebracht hat.

Am Folgetag stand dann der fahrtechnisch wohl abenteuerlichste Programmpunkt auf der Agenda: Der Passo Stelvio oder - gut deutsch - das Stilfser Joch. Als Fahranfänger würde ich mich dieser Herausforderung nicht stellen, geht es doch an einigen Spitzkehren extrem steil hinauf. Verschalten, verkuppeln oder sonst irgendwelche Sprerenzchen auf dem Motorrad sollte man an diesen Stellen tunlichst vermeiden. Eine ähnliche fahrtechnische Herausforderung ist mir aus der Überfahrung der Transalpina in Rumänien in Erinnerung. Apropos Rumänien: Das Stilfser Joch kommt in meiner Hitliste der schönsten Pässe direkt nach dem Transfagarasan. Aber bitteschön: Dies ist eine sehr persönliche Wertung.

Phase 6: Heimkehr und Fazit

Jeder Urlaub und jede Motorradtour hat einmal ein Ende und so erging es schlussendlich auch uns: Die Bilder der Alpen noch im Hinterkopf donnerten wir bei sengender Hitze dann in Richtung Norden.

Einer unserer Reisepartner wohnte für diese Reise verkehrsgünstig auf halbem Wege zwischen Alpen und Münsterland. Dort schlugen wir für eine Nacht unsere Zelte auf, bevor es dann am Folgetag in Richtung Norden weiterging.

Den letzten Tag haben wir dann nochmals autobahnmäßig abgespult, da uns bei rund 35 Grad eine deutlich schönere, aber auch längere Tour über Nebenstraßen nicht erstrebenswert erschien.

Das Fazit dieser Reise: Tolle Landschaften sowohl in Frankreich als auch in Italien, viele positive und einige weniger positive Eindrücke, ein Preis-/Leistungsverhältnis, das mit Osteuropa nicht mithalten kann, ein Wetter wie gemalt (null Regen auf 4.600 Kilometern) und verlässliche Reisepartner ... was will man mehr?!

Jürgen, Volkmar, Berthold (von rechts)Jürgen, Volkmar, Berthold (von rechts)