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Wohin im Sommer 2017 ... ?

Diese Frage beschäftigte mich über Wochen und half mir dank der erfreulichen Perspektive über die dunkle, motorradfreie Winterzeit.

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Nach einigen Überlegungen und angesichts der Tatsache, dass wir - mein Reisepartner Willi und ich - bereits x-mal in Rumänien waren (in letzter Zeit allerdings mit dem Flieger) und Südfrankreich im Jahr 2016 auf dem Programm stand, haben wir uns diesmal für Albanien entschieden.

Nach einem schlimmen Trauerfall in meiner Familie ging es dann Ende Juli - zunächst mit schwerem Herzen - über Österreich und Slowenien an die Küste nach Kroatien. Wir wollen über die Jadranska Magistrala, also über eine der schönsten Küstenstraßen Europas bis nach Griechenland. Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Albanien und Griechenland standen folglich auf dem Programm.  

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Die Anreise über die Autobahn bis nach Rosenheim (ca. 700 Kilometer) verlief erwartungsgemäß unspektakulär, oder mit anderen Worten: Langweilig. Am Folgetag überquerten wir ebenfalls relativ unaufgeregt die Alpen, folgten dem steilen Asphaltband des Wurzenpasses und schlugen unser Quartier in Skofja Loka, Slowenien, auf. Slowenien verwöhnte uns mit ausgezeichneten, kurvenreichen Straßen, einer sauberen Infrastruktur und einem überaus wohl temperierten Wetter.

Am dritten Tage unserer Reise erblickten wir dann, aus den kroatischen Bergen kommend, erstmals das satte Blau des Mittelmeeres - wobei es blau an diesem Tage nicht wirklich war, denn der Himmel war leicht bewölkt. Ein Zustand, der sich in den Folgetagen auf fast schon brutale Art und Weise ändern sollte ;-)

voraussichtliche Reiseroutevoraussichtliche Reiseroute

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Das Kurvenparadies der Jadranska Magistrala - also der vermutlich malerischsten und schönsten Küstenstraße der Welt - entpuppte sich entgegen unserer Erwartungen als sehr verkehrsarm. Nach der ersten Verwunderung nahmen wir dieses unverhoffte Geschenk dankend an und cruisten locker und beschwingt bis zu unserer Unterkunft in Starigrad. Nach einem stärkenden Abendbrot erlebte ich dann nach vielen Jahren endlich einmal wieder den berauschenden Sonnenuntergang am Mittelmeer. Immer wieder erstaunlich finde ich die Geschwindigkeit, mit der die Sonne im Meer versinkt: Man kann den erhabenen Moment des Abtauchens des Sterns in wenigen Minuten erleben ...

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Am Folgetag führte uns das Asphaltband dieser wundervollen Straße an Zadar und Split vorbei bis nach Klek, einer kleinen Touristenstadt unmittelbar vor dem Neum-Korridor, also der Grenze nach Bosnien-Herzegowina. Es ging gemächlich voran, nur unterbrochen durch ein spontanes Bad im Mittelmeer: Anhalten, Motorradklamotten aus und ab ins Wasser. Dumm nur, dass ich meine Strandschuhe in der Gepäckrolle verstaut und diese nicht griffbereit hatte beim Gang ins erfrischende Nass. Merke: Die Adria ist wegen des Stein- und Kiesstrandes kristallkar und ohne schützendes Schuhwerk ist dem gemeinen Mitteleuropäer der Gang ins Wasser eine schmerzhafte Angelegenheit. In Klek angekommen wurden wir mit einem kühlen Erfrischungsgetränk begrüßt und durften ein tolles Apartment beziehen. Der direkter Meerblick, tolle Bademöglichkeiten und ein schmackhaftes Abendessen verwöhnten uns für die Anstrengungen des Tages: Die Quecksilbersäule stieg nämlich mit jedem Kilometer südwärts stetig an. Und wir waren noch lange nicht am südlichsten Punkt unserer Reise angelangt. Mit einem ausgedehnten Badevergnügen - wir haben sicherlich mehr als 2 Stunden geschwommen - haben wir diesen wundervollen Tag beendet. Anzumerken sei an dieser Stelle, dass sowohl Willi als auch ich ausgesprochene Wasserratten sind. Neben dem Motorradfahren war uns das tägliche Bad im Mittelmeer die größte Freude. 

Hafenimpressionen in Klek ...Hafenimpressionen in Klek ...

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Da uns die zunehmende Hitze täglich größere Schwierigkeiten bereitete, starteten wir am Folgetag bereits um 6 Uhr, um möglichst zügig über die zwei Landesgrenzen zu kommen, die es zu überwinden galt: Bosnien-Herzegowina und Montenegro. Frühstück im Apartment fiel aus und wurde ersetzt und durch eine Cola + Schokoriegel an der nächsten Tankstelle. Nicht besonders nahrhaft, aber für den Moment musste es gehen ...

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Der Grenzübertritt nach Bosnien-Herzegowina erwies sich als problemlos, wenngleich schon um kurz nach 6 Uhr eine Autos auf die Grenzabfertigung am Neum-Korridor warteten. Dieser an der schmalsten Stelle nur fünf Kilometer breite Streifen teilt Kroatien in zwei Teile. Bereits seit dem Mittelalter ist dieser Landstrich ein stetiger Zankapfel widerstreitender politischer Interessen, so auch wohl noch in der heutigen Zeit. Uns war es aber für den Moment einerlei, zumal die Grenzabfertigung problemlos vonstatten ging. Die Küstenstraße ist auch im südlichen Teil von Kroatien wunderschön, wenngleich die Verkehrsdichte um Dubrovnik doch erheblich zunahm. Nach einigen Überlegungen haben wir uns dann entschieden, die von Touristen völlig überlaufene Stadt nicht zu besuchen - eine weise Entscheidung, denn Urlaubsdampfer vor der Stadt signalisierten uns: Heute ist es besonders voll. 

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So problemlos sich die Durchquerung des Neum-Korridors darstellte, so nervtötend war dann die Einreise in das Nicht-EU-Land Montenegro. Ein geschätzt zwei Kilometer langer Stau vor der Grenzstation signalisierte uns, Geduld zu üben, locker zu bleiben. Bei 44 Grad Außentemperatur allerdings ein unmögliches Unterfangen. Wir hatten die Wahl, uns ordnungsgemäß in den Stau einzureihen und an einem Hitzeschlag zu sterben, oder dreist an der Schlange bis nach vorne durchzufahren. Wir haben uns dann für die zweite Variante entschieden und waren positiv überrascht, dass niemand der Autofahrer negativ auf unser Manöver reagiert hat. Es wäre auch verrückt gewesen, noch Stunden bei gleißender Sonne in schwerer Motorradkleidung auszuharren.

Was uns dann allerdings verkehrstechnisch in Montenegro erwartete, war die konsequente Fortsetzung des Staus an der Grenze: Ein kilometerlanger Lindwurm von PKW´s schlängelte sich über die Küstenstraße. Irgendwann haben wir es den flinken Rollerfahrern gleichgetan und sind - Verkehrsregeln sehr großzügig auslegend - an dem extrem zähfließendem Verkehr vorbei. Entgegenkommende Fahrzeuge haben Gott sei Dank Platz gemacht, so dass unser Gefahrenmoment sehr reduziert war. Ermuntert wurden wir übrigens von der örtlichen Polizei, die uns durch deutliche Gesten angezeigt hat, Geschwindigkeitsbeschränkungen, Überholverbote und durchgezogene Mittellinien zu ingnorieren ...

Unsere Unterkunft in Montenegro war dann allerdings nicht so prall: Kein gebuchtes 50 qm-Appartment, sondern eine bessere Besenkammer mit einem Schlafbereich von max. 15 qm (für zwei Personen) stand uns zur Verfügung. Da der zweifelsohne schöne Strandabschnitt aber dem Teutonengrill in Rimini ähnelte, haben wir es vorgezogen, Montenegro schon im Morgengrauen des nächsten Tages in Richtung Albanien zu verlassen.

Helden des Alltags ...Helden des Alltags ...

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Zwischendurch mal einige Anmerkungen zum Straßenzustand: Die kroatische Küstenstraße gehört zu den schönsten der Welt. Dies kann man nur bestätigen. Stets das Wasser an der rechten Seite schlängelt sich das Asphaltband wundervoll am Meer entlang und man genießt Kurve um Kurve. Voraussetzung allerdings: Die Straße ist nicht durch Wohnmobile und Caravane verstopft. Die mittlerweile weit in den Süden des Landes reichende Autobahn hat hier allerdings für deutliche Entspannung gesorgt.

Wer allerdings der Auffasung sein sollte, dass die Verkehrsdichte abnimmt, je südlicher man kommt, der irrt: Unser Eindruck war, dass die Ansammlung von Fahrzeugen auf der Küstenstraße eher zu- als abnimmt. Dies könnte daran liegen, dass die Straßenzustände im Hinterland eine Ballung auf diese Küstenstraße zur Folge haben. Wer weiß ...

Der Straßenzustand bis nach Griechenland - selbst in Albanien - war tadellos und teilweise besser als in Deutschland.

Zu Albanien wäre allerdings folgendes anzumerken: Nach unserer Wahrnehmung wird im Land auffällig langsam und vorausschauend gefahren. Dies erscheint auch zwingend nötig, da die Beachtung von Verkehrsregeln eher unterdurchschnittlich augeprägt ist. Überholmanöver in unübersichtlichen Kurven und trotz Gegenverkehrs oder das schmerzfreie Einfädeln aus Nebenstraßen auf stark befahrene Hauptstraßen scheint Volkssport zu sein. Wenn man sich den gemäßigten Geschwindigkeiten anpasst, so bleibt immer noch genügend Zeit zur angemessenen Reaktion ...

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Albanien war das eigentliche Hauptziel unserer Reise, weshalb wir den früheren Abreisetag aus Montenegro durchaus wohlwollend in Kauf genommen haben: So wurde daraus eben ein Mehrtag in Albanien. Unser Hotel in Vlora ("New-York") war ausstattungsmäßig ohne Zweifel auf hohem westeuropäischen Niveau. Allerdings konnten die Service-Kräfte in der Gastronomie damit nicht ganz Schritt halten. Leichte Gaben von Trinkgeld ermunterten dann allerdings die Kellner zu mehr Beachtung unserer Wünsche.

Direkt vor dem Hotel wartete das Mittelmeer mit kristallklarem und angenehm temperierten Wasser. Angesichts tagesaktueller Temperaturen von stets deutlich über 40 Grad haben wir uns von unserem ursprünglichen Plan, mit dem Motorrad das Hinterland  zu erkunden, verabschieden müssen ... 

Die Fahrten in die Berge Albaniens erschienen uns auch vor dem Hintergrund immer größer werdender Waldbrände nicht ratsam. Etwas schade zwar, aber die Vernunfte siegte.

Am dritten Tage des absolut chilligen Müßiggangs kribbelte allerdings die Gashand sowohl bei Willi als auch bei mir, so dass wir einem Insider-Tipp folgend die Zelte in Vlora abgebrochen haben und in ein Hotel nahe der antiken Ruinenstadt von Butrint übersiedelten. Schwimmen war zwar hier nicht, dafür stand jedoch ein umfangreiches Kulturprogramm auf der Agenda: Besichtigung der Ruinen, die von alter Größe und Pracht zeugen und Teilhabe an einem albanischen Familienfest im Garten unseres Hotels.

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Griechenland war der südlichste Zipfel unserer Reise entlang der adriatischen Mittelmeerküste. Hier stand weniger das Erkunden von Land und Leute auf dem Programm, sondern mehr das Einchecken auf die Fähre von Igoumenitsa nach Venedig. Denn eines stand für uns wie in Stein gemeißelt fest: Die Küstenstraße fahren wir nicht wieder zurück. Es hätte zwar auch seinen Reiz gehabt, alle Linkskurven auch mal als Rechtskurven zu fahren, jedoch hätten wir die Zeit hierfür schlicht nicht gehabt.

Die Fähre brachte uns dann in 25 Stunden von Griechenland in den Norden Italiens - und das stressfrei, wobei "stressfrei" wohl nicht der richtige Ausdruck ist: Das Fahren mit der großen Fähre ist für rund zwei Stunden interessant, danach eigentlich nur noch langweilig - oder eben stressfrei ;-)

In Venedig angekommen, ging es erst einmal in das dichte Straßengewühl der Innenstadt, zumal mich mein Orientierungssinn total verlassen hat und wir uns dank meiner Schuld maßlos verfahren haben. Irgendwann waren wir dann auf dem rechten Weg in Richtung Norden, und zwar bis kurz vor Cortina. Von dort aus dann durch die Dolomiten über so wundervolle Pässe wie den Sella (Vorsichtig: Neuerdings jeden Mittwoch für PKW und Motorräder geschlossen), Pordoj, Compolongo oder den Gardena.

Der fahrtechnische Höhepunkt war dann zweifelsohne das Timmelsjoch, das uns mit 2474 Meter Höhe auf das "Dach unserer Tour" führte.

Der Tag klang dann aus mit einem sehr guten Zimmer und einem lecker Essen in Sölden.

Passo SellaPasso Sella

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Von Sölden verabschiedeten wir uns bei leichtem Regen, der im Tagesverlauf aber nachließ. Es mag ein wenig seltsam klingen, aber nach den Tagen gleißender Sonne und brütender Hitze habe ich den Regen genossen. Am frühen Nachmittag trudelten wir dann in Rothenburg ob der Tauber ein, verwöhnten uns mit Kaffee und Kuchen und feierten am Abend einen wundervollen Abschluss unserer diesjährigen Motorradreise.

 

 

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